Ich fühle mich leer und taub – Diese Übung hilft, um wieder einen besseren Zugang zu sich selbst zu finden und sich besser zu fühlen

Wer nach „Besseren Zugang zu sich selbst finden“ googelt, findet viele Beiträge und Tipps. Aber diese kann man sich oft getrost sparen. Der Grund, warum sich viele Menschen leer und taub fühlen, liegt oftmals an vielen unterschiedlichen Faktoren und es ist hier kaum möglich, generalisierte Tipps zu geben.

In diesem Beitrag möchte ich Ihnen aber etwas „Handfestes“ mit auf den Weg geben, wie Sie üben können langfristig ein besseres Gespür und Zugang zu Ihren Gefühlen erhalten und bei trostlosen, dunklen und deprimierenden Gedanken erlernen können, wieder positive, bunte und freudige Gefühle zurück zu holen und die Vielseitigkeit Ihrer inneren Gefühlswelt kennenlernen dürfen.

Triggerwarnung:  Bitte wenden Sie die Übung nicht an, wenn Sie unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden. 

Die Ursache für dieses Gefühl der Leere (Depersonalisation) liegt oftmals an unterschiedlichen Faktoren, Ereignissen und Erfahrungen in Ihrem Leben. Bereits in der Kindheit werden wir häufig dahin erzogen, tough zu sein, Gefühle zu unterdrücken (v.a. bei Männern ein leider großes Thema), uns wird bereits hier suggeriert, dass Gefühle zeigen, etwas „Schwaches“ sei. Somit ist es nicht überraschend, dass immer weniger Menschen Ihre Gefühlen offen zeigen, Probleme haben, sie zu akzeptieren und v.a. sie wahrzunehmen und zu spüren. Sie sind oftmals regelrecht überfordert mit dem Blumenstrauß all Ihrer Gefühle und machen dicht.

Gefühl der Leere – die Gründe

Ein Grund für eine Depersonalisation können traumatische Erlebnisse sein, die erlebt und erfahren wurden. In einem anderen Artikel gehe ich hier näher auf den Zusammenhang „Burnout und Trauma“ ein.

Aber bei vielen Menschen kann langanhaltender, dauerhafter Stress und mentale Überlastung ebenfalls unserer Körpergefühl schwächen und wir erhalten somit das Gefühl des „sich-nicht-mehr-Spüren´s“. Wir fühlen uns taub und leer. Spüren ein schwarzes Loch in uns, welches uns ausfüllt. Wir sind angespannt. Tagsüber und Nachts. Dies kann sich durch körperliche Symptome wie Herzrasen, Augenzuckungen oder Zähneknirschen äußern. Daueranspannung setzt den menschlichen Körper unter Stress. Durch diese dauerhafte Spannung verlieren wir immer mehr den Bezug zu uns, zu unserem Körper und unserer Psyche. Wir wissen nicht mehr wirklich, was wir fühlen, wo wir etwas spüren, sind verwirrt und in unserer Gefühlwelt herrscht Chaos. Dadurch sind wir nicht mehr in der Lage Entscheidungen zu treffen, uns zu konzentrieren und wir verlieren immer mehr uns selbst.

Ein Phänomen – Unsere Psyche

Unsere Psyche ist in der Lage gewisse Gefühle und Emotionen teilweise oder komplett zu unterdrücken und auszublenden, diese bewusst, aufgrund einer sog. „Schutzfunktion“, nicht wahrzunehmen. Gründe hierfür können, Schmerz, negative Erfahrungen oder schlimme Erinnerungen sein. Ich setze Schutzfunktion absichtlich in Anführungszeichen, da dies im ersten Augenblick als richtig und schützend scheint, aber bei langfristigen Hinsehen entpuppt sich diese „Schutzfunktion“ eher als ungesund und schadend. Aber dazu später mehr.

Unsere Psyche ist ein einzigartiges „Geschöpf“, welches bewusst, aber auch unbewusst agiert. Je liebevoller wir mit unseren Gefühlen umgehen und sie zulassen, desto gesünder leben wir.

Auch negative Gefühle sind wichtig und haben Ihre Daseins-Berechtigung

Es gibt lt. dem Psychologen Paul Ekman sechs Basisemotionen: Glück, Wut, Trauer, Ekel, Angst und Überraschung.

Jedes dieser Gefühle hat Ihre ganz eigene Berechtigung. Sie haben eine wichtige Funktion für die Erhaltung der Art, sie sichern unser Überleben, bringen Farbe in unser Leben und machen das Leben lebenswert. Selbst wenn das Spüren einiger Gefühle schmerzt und dadurch ungute Gefühle auftreten, sind auch diese Gefühle ein wichtiger Bestandteil unseres Seins. Unterdrückt und lebt man diese „schlechten“ Gefühle nicht aus, sei es Angst, Wut, Verzweiflung oder Trauer, kann sich unser Leben dauerhaft als dunkel, trist und schwer anfühlen. Unterdrückte Gefühle bedeuten für den Körper Stress und es kann sich dadurch langfristig eine Depression manifestieren. Ist man aber ein glücklicher Mensch, besitzt den Zugang zu seinen Gefühlen – positive wie negative – und ist in der Lage diese balanciert auszuleben – entlastet dies den Körper enorm. Die Folge dessen ist weniger Anspannung und somit geringerer Stress.

Aber was hilft, wenn ich spüre, dass ich Nichts mehr spüre?

Folgende Übung kann helfen, dass Sie wieder einen besseren Zugang zu Ihrer Gefühlswelt erhalten. Sie ist eine wertvolle und sehr wirkungsvolle Möglichkeit sich zu finden und sich zu spüren.

Die Übung können Sie überall anwenden, im Büro, zuhause, beim Spaziergang oder in der Bahn.

Wie es meistens im Leben ist – je öfter Sie diese Übung machen und Ihren Geist und Körper trainieren, desto schneller und intensiver finden Sie einen Zugang zu sich selbst und Ihren Gefühlen.

Vertrauen Sie mir – Sie werden Schritt für Schritt spüren, wie wunderbar und einzigartig Ihre ganz eigene Gefühlswelt ist.

Aber bevor wir starten, noch eine herzliche Bitte:

Seien Sie bitte nachsichtig und liebevoll mit sich, wenn die Übung nicht auf Anhieb funktionieren sollte.

Lange Zeit haben Sie Ihre Gefühle und Gefühlswelt weggesperrt und unterdrückt.

Es dauert, bis man diese wieder hervorholen kann. Auf „Knopfdruck“ funktioniert das bei den wenigsten. Bleiben Sie dran. Machen Sie diese Übung, wo immer sie möchten, binden Sie sie in Ihren Alltag ein. Üben Sie sie.

Sie werden sehen, je öfters Sie diese Übung anwenden, desto intensiver können Sie auch wieder Ihre Gefühlswelt spüren.

Ihre Gefühlswelt wartet … worauf warten Sie?

  1. Sie dürfen Ihre Augen schließen, dürfen sie aber auch geöffnet halten. Ganz wie es sich für Sie besser anfühlt.
  2. Nun denken Sie an eine bestimmte positive Erfahrung oder eine Erinnerung, die Sie glücklich gemacht hat. Lassen Sie sich ruhig Zeit. Haben Sie Geduld. Es könnte der erste Schultag Ihrer Tochter sein. Ihr Heiratsantrag. Der Geburtstag eines besten Freundes. Oder Ihr ersten 4 Wochen als Nicht-Raucher. Ihre ersten 10km Joggen ohne Pause. Ganz egal was. Hauptsache es ist ein freudiges Ereignis, welches für Sie einen besonderen Wert hat.
  3. Haben Sie einen Ihrer Glücksmomente „gefunden“?

Nun stellen Sie sich diesen Moment in all seinen Farben und Eindrücken vor.

Versetzen Sie sich zurück in diesen Moment. Riechen, Schmecken sie ihn. In all seinen Facetten. Genießen Sie ihn. Ist es nicht wunderbar, wie er sich anfühlt? Schenken Sie diesem Moment ein Lächeln. Er ist einzigartig. Tauchen Sie in ihn voll und ganz ein. Atmen Sie ihn ein.

  1. Verweilen Sie in diesem leichten, wunderschönen und bunten Moment für einige Minuten. Fühlen Sie ihn und seien Sie dankbar.
  2. Nun gehen Sie mit der Aufmerksamkeit in den Körper.

Wie fühlt es sich an? Spüren Sie vielleicht ein sanftes Wärmegefühl? Oder ist es ein leichtes, unbeschwertes Gefühl?

Wo spüren Sie etwas? Ist es ein wohliges Gefühl in der Bauchgegend? Oder kribbeln leicht vielleicht sogar Ihre Hände oder Finger?

Zeigen sich vielleicht noch andere Emotionen? Glück, Aufregung, Freude, Liebe?

Geben Sie sich bitte auch hier Zeit. Bewerten Sie die aufkommenden Gefühle nicht. Alles was Sie spüren ist vollkommen in Ordnung und darf sein.

Auch hier gehen Sie bitte liebevoll mit sich selbst um, wenn Sie nicht sofort Worte finden oder erst einmal nicht spüren, wo in Ihrem Körper sich etwas „tut“ – ist das völlig in Ordnung. Es ist vollkommen okay. Ihr Köper und Ihre Psyche müssen erst wieder erlernen, wie und wo sich Ihre Emotionen versteckt haben. Das geht bei dem einen Menschen schneller, beim anderen dauert es etwas länger.

Bleiben Sie in diesem Gefühl / Moment, solange es Ihnen guttut. Es ist ein wunderbares Gefühl, einen Glücksmoment zu spüren. Genießen Sie ihn und verweilen Sie, solange sie möchten.

  1. Anschließend schreiben Sie Ihren Glücksmoment und Ihre Gefühle nieder. Als kleine Hilfestellung können Sie hierzu Ihre ganz persönliche GLÜCKS-BLUME verwenden.

Meine Glücksblume

Sie betiteln sie mit Ihrem Glücksmoment und versehen sie mit all den positiven, wunderbaren und leichten Gefühlen, die Sie wahrgenommen haben.

Wenn Sie mögen, können Sie auch Ihre GLÜCKSBLUME mit Leben & Farbe befüllen und Ihr ganz eigenes Kunstwerk daraus erschaffen.

Wiederholen Sie diese Übung sooft Sie mögen, nutzen Sie einen kleinen Augenblick, um die bunten Gefühle einer Ihrer Glücksmomente wahrzunehmen.

Treten negative, dunkle und triste Gefühle auf, nehmen Sie sich Ihre GLÜCKSBLUME zur Hand oder stellen Sie sich Ihren Glücksmoment vor, spüren ihn – Sie werden sehen, anschließend fühlen Sie sich lebendiger und beflügelter und „bunter“.

Auch ich habe diese Übung des Öfteren bereits durchgeführt und habe mir meine GLÜCKSBLUME für einige Glücksmomente in meinem Leben erstellt. Eine davon trage ich in meinem Geldbeutel immer bei mir. In einem traurigen oder dunklen Moment, wenn meine Gedanken ins Negative abschweifen, zeigt sie mir, dass es doch auch wunderbare, bunte Momente in meinem Leben gibt und die Zeit der Dunkelheit ebenfalls vorübergehen wird.

Und:   Glauben Sie mir, Ihre positiven Gefühle in Ihnen besitzen eine enorme Kraft, welche durch Übung stets verstärkt werden kann. Verleihen Sie Ihrem Leben doch wieder mehr Farbe.

Sie sind Ein-zigartig!